Literaturempfehlungen

Tobias Kammerer – Zeitgemäße Wand- und Deckenfassungen für Sakralbauten

  1. Peter Butt, Susanne Mandl, Wolfgang Urban, Johann-Christof Hechtel, Klaus Jansen, Jürgen Werinhard Einhorn, Iris Nestler, Leonie Denise Matt, Lisa-Claire Stolzenberger, Stefanie Siegmeier, Tobias Kammerer – Zeitgemäße Wand- und Deckenfassungen für Sakralbauten, 304 Seiten, über 350 Abb., Format 21 x 29,7 cm, 2., erweiterte Auflage 2015
  2. Tobias Kammerer – Zeitgemäße Wand- und Deckenfassungen für Sakralbauten, 304 Seiten, über 350 Abb., Format 21 x 29,7 cm, 2., erweiterte Auflage 2015 Raumkunst der Gegenwart. Skulptur Glas- und Wandmalerei von Tobias Kammerer, Werke von 1993-2013, B. Kühlen Verlag Mönchengladbach 2013, 288 Seiten, ISBN: 978-3-87448-369-8, Ausgabe mit Texten in Deutsch und Englisch

Der renommierte Rottweiler Künstler Tobias Kammerer (49) hatte schon 2013 an Plänen für die Neugestaltung der barocken St. Clemensbasilika in Hannover gearbeitet. Doch trotz des inzwischen laufenden 300-jährigen Jubiläums hatten diese im Vorfeld keine tragfähige Finanzierungsgrundlage gefunden. Nun aber ist Kammerer mit seiner Assistentin Rebekka Grunwald in der Krypta emsig tätig, um sie unter den Leitmotiven Trauer und Abschied sowie Hoffnung und Auferstehung in einen zeitgemäßen Gedächtnis- und Feierort für zahlreiche Liturgien im kleineren Kreis umzuwandeln. Unterstützend wirkt dabei auch ein völlig neues Lichtkonzept. Ende August 2018 soll die Eiweihung sein. Kammerer schuf zwei Wandfresken, ebenso Altar und Ambo in Stahl.

Die beiden empfohlenen Bücher geben in diesem Zusammenhang exemplarisch einen guten, wenn auch begrenzten Einblick in den unverkennbaren Stil und die Gestaltungskraft Kammerers in den verschiedenen künstlerischen Disziplinen, im direkten Medium des Freskomalens, in der Gestaltung von Buntglasfenstern sowie im Skulpturalen bei der Herstellung von liturgischen Orten wie Altar und Ambo. Beide Bände sind übrigens von der Anschaffung her im Verhältnis zu ihrer Ausstattung überaus preiswert. (August 2018)

Johannes Rauchenberger: Sakral:Kunst. Innovative Bildorte seit dem II. Vatikanischen Konzil in der Diözese Graz-Seckau, englisch/deutsch, 336 Seiten, 9 s/w Abb., 277 Farbabb., Verlag Schnell & Steiner Regensburg 2015, ISBN: 978-3-7954-3079-5

Sakrale Kunst kann innovativ und inspirierend sein: Das ist die Botschaft dieses Bandes, der anhand einer Vielzahl ausgewählter Beispiele aus der Diözese Graz-Seckau veranschaulicht, welche fundamentalen Veränderungen in der Gestaltung von Kirchenräumen durch das II. Vatikanische Konzil bewirkt wurden. Die AutorInnen haben die künstlerischen und architektonischen Projekte als Mitglieder der Kunstkommission der Diözese aktiv begleitet und mitgestaltet. Durch die gewandelten liturgischen Erfordernisse entstanden nicht nur neue Räume und liturgische Orte mit geänderten Funktionen, sondern »Bildorte« von hohem kreativem und künstlerischem Potential. Altäre oder Ambonen, Fassaden oder Taufstätten wurden ganz neu und jenseits klassischer ikonografischer Traditionen nicht selten herausfordernd gestaltet. Der Dialog von Kunst und Kirche hat auch außerhalb der Sakralräume zu spannenden kirchlichen Aufträgen geführt. Der Band führt gelungene Beispiele aus der Diözese Graz-Seckau nach bestimmten Kriterien und Fragestellungen bildreich vor Augen.

Die Diözese Graz-Seckau feiert in diesem Jahr ihr 800-jähriges Bestehen unter dem Motto „Zukunft säen“. Fünf Ausstellungen an den vier Orten Graz (Kunsthaus: Glaube Liebe Hoffnung, Priesterseminar: Last & Inspiration), Schloss Seggau (Grenzen - Öffnung & Heimat), Abtei Seckau (Umbruch – Geist & Erneuerung) und Stift Admont (Schönheit & Anspruch) beleuchten die Höhen und Tiefen der Bistumsgeschichte, indem an historischen Plätzen Altes und Neues in einen spannenden und gesprächsfördernden Kontrast gesetzt wurde. Auf Jubiläumsbühnen wurde in der ersten Jahreshälfte den zukunftsweisenden Fragestellungen für die Gesellschaft und Kirche gleichermaßen Raum gegeben: Rettet Schönheit die Welt? Wo brauchen wir Grenzen? Wer hat die richtige Religion? Wollen wir noch selbst denken? Muss ich heute Angst haben? Wieviel Macht hat eine schwache Kirche? Ist Armut unfair? Was würdest du morgen zurücklassen? Das Autorenteam des Buches ist weithin identisch mit den Ideengebern dieses Jubiläumsjahres. (August 2018)

Hermann Glettler: seit 2017 Bischof von Innsbruck; Heimo Kaindl: seit 1991 Sekretär und Gutachter der Sektion für kirchliche Kunst der Diözesankommission für Liturgie; Alois Kölbl: seit 2007 Leiter der Kunstkommission der Diözese Graz-Seckau; Miriam Porta: seit 2000 Kunstgutachterin für die Diözese Graz-Seckau; Johannes Rauchenberger: seit 2000 Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten in Graz, Kurator zahlreicher Ausstellungen im Spannungsfeld zeitgenössischer Kunst und Religion, Kulturpublizist und Lehrbeauftragter für Sakralarchitektur, Kunst und Religion an der Universität Graz; Eva Tangl: tätig in Bauforschung und Betreuung von Sanierungen und Restaurierungen historischer Bausubstanz, seit 2000 Mitglied der Diözesankommission für Kunst der Diözese Graz-Seckau.

CREDO Lebensentwürfe. Klaus G. Kohn: Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kreuzgang der Brüdernkirche (3.5.-14.6.2018), 56 Seiten, 18 Farbabb., geb., Druck: WIRmachenDRUCK gmbH 2018

Die Ausstellung „CREDO Lebensentwürfe“ war Teil des Programms zum 450-jährigen Bestehen der Landeskirche und spürte den Impulsen der Reformation für das moderne Menschenbild nach: „An der Schwelle zur Neuzeit entstand eine Emanzipationsbewegung, die weit über die Kirche hinaus strahlte. Heute hat die Freiheit viele Gesichter. Sie ermöglicht individuelle Biographien und fordert von allen gleichermaßen Toleranz“, heißt es im Ausstellungsflyer. Der Braunschweiger Fotograf Klaus G. Kohn präsentierte 17 großformatige fotografische Leuchtkästen, die in die Fensteröffnungen des Kreuzgangs eingebaut waren. Diese sind im Katalog vollzählig und ganzseitig in Farbe dokumentiert. Sie zeigen Personen, die durch ihr Äußeres moderne Lebensentwürfe durchscheinen lassen. Darunter auch überraschend P. Fitz vom Braunschweiger Dominikanerkonvent. Dazu kommen Beiträge von Dieter Rammler u. Michael Strauß zum Thema Individualität und Freiheit. Andreas Mertin verortet Kohns Fotoarbeiten im künstlerischen Suchprozess menschlicher Identitätsfindung unter dem Thema Mensch im Bild. Enno Kaufhold schließlich beleuchtet die Vorgehensweise Kohns für diesen Zyklus im Kontext seines Oeuvres. (August 2018).

Frieden - Von der Antike bis heute: Fünf Bände, Klappenbroschur im Schuber, 1064 Seiten, 983 meist farbige Abb. Format: 30×22 cm, Sandstein Verlag Dresden 2018, ISBN: 978-3-95498-388-9

Den Frieden trägt man nicht so leicht nach Hause. Das gilt von der Schwierigkeit, politischen Frieden zu schließen ebenso, wie von diesem gewichtigen Katalogwerk. Bemerkenswert an sich ist schon das kooperative Ausstellungsprojekt. Hier wurde der beachtliche Versuch gewagt, in fünf aufeinander inhaltlich abgestimmten Teilausstellungen das Friedensthema ausführlich unter verschiedenen Aspekten zu beleuchten. Auch das Bistum Münster – Gastgeber des diesjährigen Katholikentages - beteiligte sich trotz der derzeitigen Schließung der Domkammer als Gast im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Dem Sandstein Verlag ist zu dem Kunststück zu gratulieren, diesem kooperativen Ausstellungsprojekt pünktlich und in brillantem Rahmen das bildlich- textliche Rückgrat geliefert zu haben. Zu bewerten, ob das Experiment, und in vielerlei Hinsicht auch Wagnis, sich gelohnt hat, wird den Akteuren der wissenschaftlichen Aufarbeitung, der museumspädagogischen Vermittlung und der Präsentation in Medien und Öffentlichkeit wohl erst ab September dieses Jahres möglich sein, nach Ende aller Aktionen.

Von diesem, anlässlich des 370-jährigen Gedächtnisjahres des Westfälischen Friedens und der 100. Wiederkehr des Endes des Ersten Weltkrieges in bestem Farbdruck edierten fünfbändigen Katalogwerk interessieren uns hier besonders diese Bände:

a) Hrsg.: Kunstmuseum Pablo Picasso/ Münster: Picasso. Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube, 120 Seiten, 98 meist farbige Abb., ISBN: 978-3-95498-386-5

Das noch junge Kunstmuseum Pablo Picasso (seit 2000) mit seiner Sammlung von über 800 Lithografien Picassos, der wie kaum ein anderer Künstler der klassischen Moderne prägende Werke für den Frieden in Europa schuf, leistet einen unverzichtbaren Beitrag zu der großen Friedensausstellung. Folgende Werke stehen im Focus: Die Serie von Radierungen „Traum und Lüge Francos“, originale Silbergelatine-Abzüge von Fotografien (1937) während der Ausarbeitung der „Friedensikone“ Guernica, die im besetzten Paris 1943 entstandene über 2 m hohe Bronzeskulptur „Mann mit Schaf“, das geradezu in der Rezeption sich verselbständigende Lithografie-Motiv „Taube“ (1949) zur Friedenstaube auf politischen Plakaten und schließlich das in verschiedenen Variationen auftauchende Motiv des Totenkopfes. Von den insgesamt dreiundfünfzig Ausstellungsstücken wurden über dreißig aus französischen und deutschen Museen den hauseigenen beigesteuert. Der Band begeistert durch seine brillanten Abbildungen ebenso wie durch die erschließenden Katalogtexte. Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller stellt „Picassos Bildfindungen zu Krieg und Frieden“ unter der Überschrift „Das Schweigen der Lämmer“ dar. Museumsmitarbeiter Alexander Gaude besorgte die Katalogredaktion und steuerte die Artikel „Picasso, die Kommunisten und die Friedensbewegung“ sowie „Ein dunkler Kontinent. Picassos Europa1944-1958“ bei. Für Picasso-Freunde ohnehin ein Muss! (August 2018)

b) Hrsg.: Bistum Münster, Frieden. Wie im Himmel so auf Erden? 288 Seiten, 192 meist farbige Abb. ISBN: 978-3-95498-384-1

Das Bistum Münster beteiligt sich an dem Ausstellungsprojekt „Frieden“, indem es mit seiner Ausstellung „Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?“ den religiös-christlich zugespitzten Blickwinkel beisteuert. Das Fragezeichen in der Themenstellung offenbart, dass es um eine ungeschönte Auseinandersetzung mit Ideal und Verwirklichung dieses zentralen christlichen Grundwertes gehen soll. Glaube und Religion werden als Friedenskraft wie auch als Konfliktstoff thematisiert (Th. Flammer im Vorwort). Die Durchführung der Ausstellung wurde dem Institut für Geschichte im Bistum Münster am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte von Prof. Dr. Wolfgang übertragen. Dessen Team hat gut zwei Jahre hochmotiviert daran gearbeitet. Im Katalogband legen sieben Essays von Thomas Söding, dem neutestamentlichen Bibeltheologen, Stefan Weinfurter, Andreas Holzem, Hubertus Lutterbach, Hubert Wolf und Holger Arning, sowie dem Liturgiker Benedikt Kranemann und Thomas Bremer, dem Friedenforscher und Ökumeniker, ein ausdifferenziertes Fundament verschiedener Fragestellungen. Darauf bauen die 99 wohlüberlegt ausgewählten, charaktervollen Exponate auf, die von vierzehn namentlich identifizierbaren Autoren bezüglich ihrer essenziellen Aussage zur Thematik abgeklopft werden. Die Intentionen sind unterschiedlich: einige Gegenstände sollen „ästhetischen Genuss vermitteln, andere eine emotionale Wirkung entfalten, wieder andere durch Überraschung zum Nachdenken anregen.“ (Th. Fusening, Christlicher Frieden in der Vitrine? In: das münster 2/2018, S. 165). Dem Bistum Münster scheint mit dieser thematisch herausfordernden Ausstellung offenbar eine Uraufführung gelungen zu sein. Gerade deshalb besonders lesenswert. (August 2018)

Sabine Klotz (Hrsg.), Zeichen des Aufbruchs. Kirchenbau und Liturgiereform im Bistum Augsburg seit 1960, Kunstverlag Josef Fink Lindenberg 2018, 342 S., geb. (ISBN 978-3-95976-096-6)

Es ist schon ein wahrhaft gewichtiger Band im doppelten Sinne, den die Diözese Augsburg als Frucht ihres Aschermittwochs der Künstler 2015, dem Jahr der 50. Wiederkehr des Konzilsendes des II. Vatikanischen Konzils hier vorlegt. Die Frage nach dessen Einfluss auf die Bautätigkeit mündete in eine Ausstellung, die noch bis zum 18. März 2018 im Diözesanmuseum St. Afra zu sehen ist und findet ihren Niederschlag in den Reflektionen dieser Publikation.

Frau Sabine Klotz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Kirchliches Bauwesen und Kunst, hat neben der Herausgeberschaft zwei Aufsätze beigesteuert („Form und Emotion“ – Der Kirchenbau im Bistum Augsburg seit 1960 und „Bauen im Bestand“), sie führte aufschlussreiche Interviews mit dem Architekten Robert Gerum (Jg. 1929) und dem Prälaten Dr. Eugen Kleindienst, ehem. geistlicher Botschaftsrat, Generalvikar und Finanzdirektor der Diözese Augsburg. Schließlich ist sie auch die Autorin des 47 Beispiele umfassenden Katalogteils, unterteilt in Neubauten (1-39) und Bauen im Bestand.

Frau Barbara Lukats aus der Bauabteilung widmete sich den umfangreichen Biographischen Recherchen, die den schon durch reiche und qualitätvolle Bebilderung (überwiegend von Siegfried Wameser, München) ausgezeichneten Kunstband zu einem praktischen Nachschlagewerk erweitern.

Weitere lesenswerte Aufsätze lieferten der Diözesankonservator Dr. Michael Schmid, der Liturgiewissenschaftler Winfried Haunerland, Dr. Walter Zahner und die Bauforscherin Elke Hamacher.

Zum Stichwort Veränderungen werden vier konkrete und anregende Beispiele von Raumverkleinerungen bis hin zu liturgischen Neuordnungen (zwischen 2001 und 2016) vorgestellt.

Alles in allem: Eine Frucht, die sicher gern geerntet und genossen wird. (U. Schmalstieg, 02-2018)

Bischöfliches Generalvikariat Fulda (Hrsg.), Anne Gathmann. Statik der Resonanz, Kerber Verlag Bielefeld 2017, 104 S., 46 Farb- und 30 Schwarzweißabb. (ISBN 978-3-7356-0379-1)

Textbeiträge von Bischof Heinz Josef Algermissen, Dr. Sami Khatib, Dr. phil. Hanne Loreck, Marcus Steinweg, Dr. Anna-Lena Wenzelungen.

Die Diözese Fulda dokumentiert hiermit ihren erneut hochrangigen Beitrag zur internationalen Kunstausstellung Documenta in Kassel, der im vergangenen Jahr vom 25.5.- 23.9.2017 als Rauminstallation in der Elisabethkirche gegenüber dem Fridericianum zu sehen war. Diözesanbaumeister Dr. Burghard Preuseler und Projektleiter Christoph Baumanns verfolgen seit 2002 zusammen mit dem Stadtdechanten einen leisen aber unbeirrt konsequenten Weg, die Kirche mit ins Gespräch der regelmäßig iederkehrenden Kunstpilger zu bringen. Dabei können sie sich auch der Unterstützung ihres Bischofs Algermissen gewiss sein, der sich während der vorhergehenden Documenta 13 engagiert in die Kontroverse um den „Mann im Turm“ von Stephan Balkenhol eingeschaltet hatte. „Die Kirche gehört zu den ältesten Kulturträgern: Sie regt die Menschen an, über den Tellerrand der alltäglichen Sorgen und Bedürfnisse das Leben in seiner Tiefendimension in den Blick zu nehmen, in den Höhepunkten wie in den Abgründen nach dem zu suchen, was Sinn und Orientierung gibt.“, so die Kirchengemeinde St. Elisabeth auf ihrer Internet-Seite.

Anne Gathmann spannte in den asketisch kargen Betonbau der St. Elisabethkirche ein 600 kg schweres, aus einzelnen Aluminiumstäben bestehendes Band -gleich Klangstäben eines überdimensionalen Metallophons aufgereiht-, das sich mit optischer Leichtigkeit vom First über der Orgelbühne bis hin zum Altar schwang. Auf diese Weise versetzte sie den ganzen Raum in eine neue, ungeahnte Dynamik.

In der Publikation wird diese Kasseler Arbeit zugleich mit dem früheren Werk der Künstlerin, das sich vorwiegend derartigen Rauminterventionen widmet in Beziehung gebracht.

Eine Veröffentlichung zum Erinnern, Vertiefen und eigener Inspiration. (U. Schmalstieg, 02-2018)

Iris Nestler (Hrsg.), Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts im Rheinland

Band I, B. Kühlen Verlag Mönchengladbach 2015, 248 S., geb., mit farbigen Abbildungen (ISBN 978-3-87448-393-3)

Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden, Band II, B. Kühlen Verlag Mönchengladbach 2017, 288 S., geb., mit farbigen Abbildungen (ISBN 978-3-87448-480-0)

Die Kosten für derartige Kunstbände bleiben trotz finanzieller Förderung aus vielen Töpfen für den Bücherfreund recht hoch, bei diesem Schwelgen in Farben und Formen wird sich die Ausgabe aber nachhaltig lohnen. Ähnlich wie im Orgelbau gehören die deutschen Glaswerkstätten zu den international nach wie vor gefragtesten. Man nimmt die beiden Bände immer wieder gern zur Hand, da die Namen der Künstler (von Thierry Boissel, Marc Chagall, Paul Corazolla über Dieter F. Dohmes, Kim En Joong, Georg Meistermann, Franz Pauli, Jochem Poensgen bis hin zu James Rizzi, Emil Wachter und Anton Wendling) ebenso locken wie die von Fachleuten beschriebenen Kontexte und Hintergründe der Glasfensterzyklen, die sich im Original ja nur selten so detailliert wie hier betrachten lassen. (U. Schmalstieg, 02-2018)

Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin (Hrsg.), Heike Ruschmeyer. Das andere Land, Katalog, Berlin 2015, 103 S.

Textbeiträge: Cornelia Gerner, Sven Drühl, Regina Jerichow, Michaela Nolte, Claudia Wangerin u. Paritätischer Wohlfahrtsverein.

Heike Ruschmeyer (Jg. 1956) war eine der vier Künstlerinnen, die den erst- und bisher auch einmalig vom Bistum Hildesheim ausgelobten Bernward-Kunstpreis im Bernward-Jubiläumsjahr 1993 erhielt. Ich nenne sie die „Malerin der Opfer“, der gewaltsam zu Tode gekommenen Menschen. Die dem Katalog zugrundeliegende Ausstellung (15.92015-31.1.2016) zeigte ihr neueres Werk, das –meist in Schwarzweiß gemalt-, Tatorte terroristischer Gewalt (Serie Schwarz auf Weiß), Folgen von Anschlägen auf Asylanten-Unterkünfte, vermisste Kinder aber auch die konsequente Fortführung ihrer Monolog-Serie (Ziff. CXLIII von 2014), dokumentiert und die Opfer so dem Vergessen zu entreißen versucht. Den Katalog durchziehende Textbeiträge regen an zur eigenständigen Auseinandersetzung mit der künstlerischen Seite im Werk Heike Ruschmeyers aber auch zur inhaltlichen mit diesem anderen (Deutsch-) Land, dessen dunkle Seite wir zu oft und zu schnell vergessen oder verdrängen wollen.

Ein intensives Gespräch, das ich mit der Künstlerin im Herbst führen konnte, ist derzeit in Vorbereitung zur Veröffentlichung bei meinen Künstlerinterviews. (U. Schmalstieg, 02-2018)

Ralf Schlüter/ Stephan Winter (Hrsg.), Kirchen im Umbau. Neue Nutzungen kirchlicher Räume im Bistum Osnabrück, Verlag Dom Buchhandlung, Osnabrück 2015, 119 S. geb. (ISBN 978-3-925164-74-3)

Der Diözesan- und Dombaumeister sowie der Liturgiereferent unserer Nachbardiözese Osnabrück haben einen aufschlussreichen Bild- und Textband über den dortigen kreativen Umgang bei der Anpassung überkommener Kirchbausubstanz unterschiedlicher Zeiten an heutige veränderte gesellschaftlich-kulturelle Rahmenbedingungen vorgelegt. Es geht um Umbauten und Umnutzungen verschiedenster Räume.

Im einem Vorwort benennt Bischof Franz-Josef Bode die Ermöglichung von Aufbruch statt Verwaltung des Abbruchs als handlungsleitendes Ziel. Zwei Grundsatzartikel der Herausgeber bieten unter der Überschrift "Gebauter Glaube?!" Vergewisserungen aus architektonischer und theologischer Sicht.

Anschließend werden auf 85 Seiten zwölf ausgewählte, gebaute Ergebnisse von der Journalistin Susanne Haverkamp in Text und vom Fotografen Hartwig Wachsmann im Bild vorgestellt. Ein Sonderfall an Umnutzung ist das in enger Kooperation mit den Mauritzer Franziskanerinnen aus einem alten Verwaltungsgebäude der Offiziersmesse zu einem Kloster umgebaute Esterwegen. Alle anderen Maßnahmen verändern mehr oder weniger die ursprünglich rein sakralen Nutzungen der Kirchengebäude, indem sie Funktionen mit Nachbargebäuden kombinieren oder neue hereinnehmen, ohne jedoch den Kirchenraum ganz aufzugeben. Vielerorts scheint augenblicklich der Mehrzweckraum durch die Hintertür zurückzukehren.

Es gibt ein Kolumbarium, ein "Haus im Haus" für die Jugend, Kindertagesstätten rücken näher zur Kirche oder es entsteht wie in Bremen St. Michael ein Stadtteilzentrum mit Kapelle. Sehr lebendig liest sich, wie die verantwortlichen Gremien oder SeelsorgerInnen mit den meist zunächst ungeliebten Herausforderungen umzugehen lernten. Nicht weniger groß, aber oft beachtlich im Ergebnis, waren die Herausforderungen für die verschiedenen beauftragten Architekten und Künstler. Gerade unter gestalterischem Blickwinkel macht sich hier offenbar die enge Kontaktpflege bezahlt, die im Bistum Osnabrück alljährlich bei der Tagung in Georgsmarienhütte zum "Nikolaustreffen" greifbar wird.

Ein Buch, das mancher Gemeinde realisierbare Perspektiven anschaulich machen kann, die an einer baulichen Veränderung ihrer Kirche nicht mehr vorbeikommt und keinesfalls den Abbruch oder die Profanierung möchte. (U. Schmalstieg, 02-2016)

Johanna Anders, Neue Kirchen der Diaspora. Eine Studie zu den Kirchenneubauten nach 1945 im nordhessischen Teil des Bistums Fulda. Kassel University Press GmbH, Kassel 2014, 211 S., auch als digitale Ausgabe erhältlich. www.uni-kassel.de/upress

Die zugrundeliegende Dissertation der Autorin fügt der umfangreichen Literatur über den Kirchenbau des 20. Jahrhunderts einen unverzichtbar wertvollen Mosaikstein hinzu. Denn die weiten Diasporagebiete Norddeutschlands, ebenso übrigens die des Ostens, sind bisher Stiefkinder der Forschung gewesen. Durch den Zustrom Heimatvertriebener nach dem II. Weltkrieg war gerade dort die Bautätigkeit überaus umfangreich. Insofern ist beispielsweise die Bearbeitung der Themenkreise Kapellenwagenmission, Barackenkirchen und Fertigteilkirchen von berechtigtem Interesse, das bei der Lektüre auch nicht enttäuscht wird. Sogar Hildesheims Fertigteilkirchen der ersten Generation (Typen A-C) sind in die Analyse einbezogen worden.

Frau Anders nähert sich der Fülle gebauter liturgischer Ordnungen im klar abgesteckten geographischen Raum anhand zweier Betrachtungskriterien: der Kombination des Baukörpers mit einem Glockenträger bzw. -turm und den mannigfaltigen Grundrissformen. Ersteres Kriterium greift bei den in überragender Mehrheit rechteckig errichteten Kirchenbauten. Diese werden gliedert nach Kirchen ohne Glockenturm bzw. mit integriertem, vorgestelltem, aufgesetztem, angegliedertem und freistehendem Glockenträger oder -turm. Die weiteren Kirchen werden nach einem jeweils kurzen allgemeinen Überblick als oval, trapezoid und parabolisch, rund, quadratisch, kreuzförmig und polygonal vorgestellt.

Der nützliche Schlussteil des Buches enthält u. a. einen Katalog von 107 alphabetisch nach Orten gelisteten Kirchen mit Adress-, Platz- und Architektenangabe, Weihedatum und Status (z.B. Pfarr- od. Wallfahrtskirche). Auf diese Weise ist der Leser eingeladen, die Objekte in Natura aufzusuchen und sich einen persönlichen Eindruck zu machen.

Eine derart grundlegende Forschungsarbeit ist für den Diaspora-Kirchenbau unseres Bistums Hildesheim leider immer noch ein Desiderat. Nicht nur deshalb ist dem Buch eine große Leserschaft zu wünschen. Auch die qualitätvolle Bebilderung in schwarz-weiß ist bemerkenswert. (U. Schmalstieg, 02-2016)