im Bistum Hildesheim
Literaturempfehlungen

Ausstellungskataloge
Kunstsammlung Nordrhein Westfalen Düsseldorf (Hg.),
The Problem Of God, Redaktion Isabelle Malz, Kerber Verlag Bielefeld 2015, 407 S. (ISBN 978-3-7356-0150-6)
(erschienen anlässlich der gleichnamigen Ausstellung vom 26. September 2015 bis 24. Januar 2016)

Katja Lembke (Hg.), madonna. frau - mutter - kultfigur, Sandstein Verlag (www.sandstein-verlag.de), 399 S., kart. (ISBN 978-3-95498-190-8), Auflage leider vergriffen.
(erschienen anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover vom 16. Oktober 2015 bis 14. Februar 2016)


Kirche am Meer. St. Marien in Schillig, Bischöfllicher Offizial und Weihbischof Heinrich Timmerevers (Hg.), dialogverlag Münster 2012, 56 S.

Neubauten von Kirchen sind angesichts schwindender Gemeindegrößen vor allem in Norddeutschlands Hinterland eine Rarität. Die Nordseeküste als eines der bevorzugten Urlaubsziele macht da eine Ausnahme. Eine Präsenz der Kirche durch qualitativ gut gestaltete Räume hat hier einen tiefen Sinn. Zur Stille zu finden in Urlaub oder Kur oder die Mitfeier der Gottesdienste in ständig wechselnden Zusammen-Setzungen anderer Mitglaubender sind am Meer eine willkommene Freizeitmöglichkeit.
Das Offizialat Vechta, dem Bistum Münster zugeordnet, hat in Schillig, unweit des riesigen Campingplatzes, mit dem Neubau der St. Marienkirche einen unübersehbaren Akzent gesetzt. Schon von der äußeren Silhouette und vom Material des doppelt gebrannten Backsteins her ragt der in geschwungener Kreuzform errichtete Neubau aus dem Gewohnten heraus.
Das Kölner Architektenehepaar Ilse und Ulrich Königs hat damit nach Regensburg- Burgweinting, St. Franziskus zum zweiten Mal einen Kirchbau-Wettbewerb für sich entscheiden können. Erneut sind die intensiven Vorstudien zur Lichtführung durch das Dach ein entscheidender Faktor, der zur Faszination eines so noch nie gesehenen Sakralraumes beiträgt.

Die kurz nach der Einweihung erschienene Festschrift lässt viele am Kirchbau Beteiligte zu Wort kommen. Daneben tragen vor allem die Abbildungen und Bauschnitte sowie nicht zuletzt der Grundriss dazu bei, die Hinter- und Beweggründe zu verdeutlichen. Dem Besucher wird so im Nachgang das nachhaltige Begreifen dieser überraschenden Architekturkonzeption ermöglicht.
(U. Schmalstieg 02-2016)


Ralf Schlüter/ Stephan Winter (Hg.), Kirchen im Umbau. Neue Nutzungen kirchlicher Räume im Bistum Osnabrück, Verlag Dom Buchhandlung, Osnabrück 2015, 119 S. geb. (ISBN 978-3-925164-74-3)

Der Diözesan- und Dombaumeister sowie der Liturgiereferent unserer Nachbardiözese Osnabrück haben zum Jahresbeginn einen aufschlussreichen Bild- und Textband über den dortigen kreativen Umgang bei der Anpassung überkommener Kirchbausubstanz unterschiedlicher Zeiten an heutige veränderte gesellschaftlich-kulturelle Rahmenbedingungen vorgelegt. Es geht um Umbauten und Umnutzungen verschiedenster Räume.
Im einem Vorwort benennt Bischof Franz-Josef Bode die Ermöglichung von Aufbruch statt Verwaltung des Abbruchs als handlungsleitendes Ziel. Zwei Grundsatzartikel der Herausgeber bieten unter der Überschrift "Gebauter Glaube?!" Vergewisserungen aus architektonischer und theologischer Sicht.
Anschließend werden auf 85 Seiten zwölf ausgewählte, gebaute Ergebnisse von der Journalistin Susanne Haverkamp in Text und vom Fotografen Hartwig Wachsmann im Bild vorgestellt. Ein Sonderfall an Umnutzung
ist das in enger Kooperation mit den Mauritzer Franziskanerinnen aus einem alten Verwaltungsgbäude der Offiziersmesse zu einem Kloster umgebaute Esterwegen. Alle anderen Massnahmen verändern mehr oder weniger die ursprünglich rein sakralen Nutzungen der Kirchengebäude, indem sie Funktionen mit Nachbargebäuden kombinieren oder neue hereinnehmen, ohne jedoch den Kirchenraum ganz aufzugeben. Vielerorts scheint augenblicklich der Mehrzweckraum durch die Hintertür zurückzukehren.
Es gibt ein Kolumbarium, ein "Haus im Haus" für die Jugend, Kindertagesstätten rücken näher zur Kirche oder es entsteht wie in Bremen St. Michael ein Stadtteilzentrum mit Kapelle. Sehr lebendig liest sich, wie die verantwortlichen Gremien oder SeelsorgerInnen mit den meist zunächst ungeliebten Herausforderungen umzugehen lernten. Nicht weniger groß, aber oft beachtlich im Ergebnis, waren die Herausforderungen für die verschiedenen beauftragten Architkten und Künstler. Gerade unter gestalterischem Blickwinkel macht sich hier offenbar die enge Kontaktpflege bezahlt, die im Bistum Osnabrück alljährlich bei der Tagung in Georgsmarienhütte zum "Nikolaustreffen" greifbar wird.

Ein Buch, das mancher Gemeinde realisierbare Perspektiven anschaulich machen kann, die an einer baulichen Veränderung ihrer Kirche nicht mehr vorbeikommt und keinesfalls den Abbruch oder die Profanierung möchte.
(02-2016)


Johanna Anders, Neue Kirchen der Diaspora. Eine Studie zu den Kirchenneubauten nach 1945 im nordhessischen Teil des Bistums Fulda. Kassel University Press GmbH, Kassel 2014, 211 S., auch als digitale Ausgabe erhältlich.
www.uni-kassel.de/upress

Die zugrundeliegende Dissertation der Autorin fügt der umfangreichen Literatur über den Kirchenbau des 20. Jahrhunderts einen unverzichtbar wertvollen Mosaikstein hinzu. Denn die weiten Diasporagebiete Norddeutschlands, ebenso übrigens die des Ostens, sind bisher Stiefkinder der Forschung gewesen. Durch den Zustrom Heimatvertriebener nach dem II. Weltkrieg war gerade dort die Bautätigkeit überaus umfangreich. Insofern ist beispielsweise die Bearbeitung der Themenkreise Kapellenwagenmission, Barackenkirchen und Fertigteilkirchen von berechtigtem Interesse, das bei der Lektüre auch nicht enttäuscht wird. Sogar Hildesheims Fertigteilkirchen der ersten Generation (Typen A-C) sind in die Analyse einbezogen worden.

Frau Anders nähert sich der Fülle gebauter liturgischer Ordnungen im klar abgesteckten geographischen Raum anhand zweier Betrachtungskriterien: der Kombination des Baukörpers mit einem Glockenträger bzw. -turm und den mannigfaltigen Grundrissformen. Ersteres Kriterium greift bei den in überragender Mehrheit rechteckig errichteten Kirchenbauten. Diese werden gliedert nach Kirchen ohne Glockenturm bzw. mit integriertem, vorgestelltem, aufgesetztem, angegliedertem und freistehendem Glockenträger oder -turm. Die weiteren Kirchen werden nach einem jeweils kurzen allgemeinen Überblick als oval, trapezoid und parabolisch, rund, quadratisch, kreuzförmig und polygonal vorgestellt.

Der nützliche Schlussteil des Buches enthält u. a. einen Katalog von 107 alphabetisch nach Orten gelisteten Kirchen mit Adress-, Platz- und Architektenangabe, Weihedatum und Status (z.B. Pfarr- od. Wallfahrtskirche). Auf diese Weise ist der Leser eingeladen, die Objekte in Natura aufzusuchen und sich einen persönlichen Eindruckl zu machen.

Eine derart grundlegende Forschungsarbeit ist für den Diaspora-Kirchenbau unseres Bistums Hildesheim leider immer noch ein Desiderat. Nicht nur deshalb ist dem Buch eine große Leserschaft zu wünschen. Auch die qualitätvolle Bebilderung in schwarz-weiß ist bemerkenswert.
(02-2016)


Markus Lüpertz, Neue Fenster für die Gützer Kirche
Hrsg. von Holger Brülls i. A. des Fördervereins Gützer Kirche e.V. 55 S. geb., Verlag Förderverein Gützer Kirche e.V., Landsberg 2014 (ISBN 978-3-00-047030-1), 14,50 Euro zuzügl. Buchversandkosten, Bestellungen über: info@lutherweg-gesellschaft.de


Günther Grohs, Gegen Licht - Neue Glasmalerei,
Hrsg. von Holger Brülls, 253 S. geb., Michael Imhof Verlag Petersberg 2013, mit einem Geleitwort von Suzanne Beeh-Lustenberger und Beiträgen von Ulrich von Damaros, Hans Werner Danowski, Erhard Drachenberg, Peter Königfeld, Rüdiger Reinel, Franz Ronig, Horst Schwebel, Bettina Seyderhelm und Mechtild von Veltheim (ISBN 978-3-86568-954-2)

Nur wenigen ist in unserem Bistum bewusst, dass -unweit der östlichen Bistumsgrenze nach Magdeburg hin- in Wernigerode am Harz einer der gefragtesten deutschen Glasgestalter geboren wurde und ansässig ist. Werner Grohs, Jg. 1958, ausgebildet an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichstein in Halle, erhält in dieser Publikation eine ausgesprochen umfassende wie einladende Würdigung seines bisherigen Werkes durch Holger Brülls und einen Autorenkreis voller klangvoller Namen. Die über 50 in Auswahl gelisteten Artikel am Schluss des Buches über seine Werke machen das redaktionelle Verdienst dieser Publikation bewußt. Vita, Werkverzeichnis, Alphabetische Register und zahlreiche erstklassige großformatige Bildwiedergaben ermöglichen eine Reise durch Günther Grohs erstaunlich umfang- und facettenreiches Oevre, locken aber zugleich, diese Ort selbst aufzusuchen, um eine unmittelbare Begegnung mit seinen Werken zu bekommen. Beinahe durchgängig liefert er pro Jahr 10 Arbeiten ab, die sich in ganz Deutschland in privaten wie öffentlichen, sakralen wie profanen Räumlichkeiten finden. Überraschend und von hoher Qualität sind nicht zuletzt die in der Helmstedter Paramentenwerkstatt beim Kloster Marienberg entstandenen Antependien und liturgischen Gewänder, die von der Domina Frau Mechtild von Veltheim unter der Überschrift Stoff-Wechsel selbst vorgestellt werden .

Johannes Schreiter, Glasbilder - Collagen - Zeichnungen - 1995-2012, von Holger Brülls und Gunter Sehring, hrsg. von der Johannes-Schreiter-Stiftung Langen/ Hessen, 324 S. geb., Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2013 (ISBN 978-3-89870-687-2)

Wilhelm Buschulte, Spätwerk und Rückblick
Hrsg. Kreisstadt Unna, Beiträge von Jean Claude Périsset, Annette Jansen-Winkeln, Thomas Frings und Martin Struck
64 S. geb., Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2014 (ISBN 978-3-89870-860-9)

Das gut gestaltete Buch voller erstklassiger Fotowiedergaben ist eine postume Hommage der Heimatstadt Unna an den Künstler, der 1923 im Stadtteil Massen geboren wurde und hierher nach Kriegszeit, Verwundung und Studium an der Münchener Akademie der Bildenden Künste zurückkehrte. Die Könnerschaft seiner Glasmalerei brachte ihm seit den 50er Jahren internationales Ansehen, Kunstwerke sind in Deutschland in über 300 Sakralbauten Deutschlands zu finden. Von der Frankfurter Paulskirche bis zur Kapelle der Apostolischen Nuntiatur in Berlin spannt sich der Kreis seiner Werke. In unserem Bistumsgebiet ist die geometrische Fenstergestaltung der St.Ägidien-Marktkirche in Osterode/ Harz und selbstverständlich die Verglasung der St. Annen-Kapelle inmitten des doppelstöckigen Hildesheimer Domkreuzganges zu nennen. Die Veröffentlichung belegt eindrucksvoll, dass Wilhelm Buschulte noch bis 3 Jahre vor seinem Tod 2013 künstlerisch aktiv war.

Kataloge von Künstlerinnen und Künstlern, die zuvor beim Aschermittwoch der Künstler unseres Bistums ausgestellt hatten:

Lilian Moreno Sánchez, Lema
Hrsg. von Lilian Moreno Sánchez
(Katalog, erschienen anlässl. der gleichnamigen Ausstellung im Dominikanerkloster Braunschweig, Herbst 2014)
63 S. geb., Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2014 (ISBN 978-3-89870-894-4)

Klaus Stümpel, Tiefschlaf im Segelflug
Hrsg. von Michael Schwarz mit Textbeiträgen von Ursula Bode, Lienhard von Monkiewitsch, Michael Schwarz und einem Vorwort von Axel Richter
(Katalog, erschienen anlässl. der gleichnamigen Ausstellung im raumLABOR Braunschweig vom 2. April bis 8. Juni 2014),
175 S. geb. , Kerber Verlag Bielefeld 2014
(ISBN 978-3-86678-913-5)

Emil Cimiotti, Zum Greifen nah
Hrsg. von Cecilie Hollberg (Katalog, erschienen anlässl. der gleichnamigen Ausstellung im Städtischen Museum Braunschweig vom 10. April bis 9. Juni 2013),
96 S. geb., Städtisches Museum Braunschweig 2013
(ISBN 978-3-927288-34-8)

Ulrich Schmalstieg, 01-2015


Führer zu Kirchen im Bistum Hildesheim

Ulrich Schmalstieg, Katholische Kirche St. Benno Goslar-Jürgenohl, Kunstverlag Josef Fink Lindenberg 2015 i. Allgäu,
28 S., 20 Farbabb., erhältlich für 4,00 €,
ISBN 978-3-89870-925-5
Katholische Kirche Heilig Geist Braunschweig-Lehndorf, Hrsg.: Förderverein Hl. Geist e.V., Text: Bastian Müller, Benedict Müller- Verlag, Berlin 2012, 36 S., zahlreiche S/w- und Farbabbildungen;
Maria Königin des Friedens Katholische Pfarrkirche Göttingen- Geismar. Dokumentation. Rundgang durch die Kirche, Hrsg. Kirchenausbau-Verein „Maria Königin des Friedens“ e.V., Text: Gerhard Schröder, Göttingen 2011, 62 S., überw. farbig bebildert, für 7,- € in der Pfarrei erhältlich;
Dr. Maria Kapp, M.A.: Katholische Heimkehrergedächtnis-kirche St. Norbert in Friedland, Reihe der Kleinen Kunstführer (Nr. 2802), Verlag Schnell & Steiner GMBH Regensburg 2011, 36 S., erhältlich für 3,50 €.

Jede der vier äußerst kompetent erschlossenen Kirchen widerlegt auf eigene Weise den verbreiteten oberflächlichen Eindruck, das Bistum Hildesheim sei hinsichtlich der Sakralarchitektur und Kirchenausstattung wenn nicht Niemandsland so doch Provinz.
St. Benno würde unter dem Gesichtspunkt einer Militärgarnisonkirche noch eine besondere Untersuchung verdienen. Eine derartige Forschungsarbeit auf Bundesebene würde sicher noch aufschlussreiche Kontexte an Licht bringen.
Bei den drei anderen Kirchbauten gibt es einige Gemeinsam-keiten: Die architektonische Planung durch freie Architekten (LEHNDORF: Fritz Hauk, BS-Lehndorf, Turm: Toni Zenz u. Walter Prinz, Umgestaltung: Alfred Geismar, BS-Lehndorf. GEISMAR: Josef Bieling, Kassel. FRIEDLAND: Friedrich Wagener, Göttingen, Umgestaltung: Claus Kilian, BS), die von der Bauabteilung der Diözese angesichts umfangreicher Neubautätigkeit einbezogen worden waren. Ein markanter Glockenturm mit Fernwirkung überragt jede Kirchenanlage und lässt Rückschlüsse auf eine starke eigene Finanzkraft bzw. Förderung zu, die das Bistum nicht mit trug. Die Innenausstattung stammt von teils namhaften Künstlern (LEHNDORF: Toni Zenz, Dominikus Böhm und Fritz Schwerdt. GEISMAR: Fenster und Wandbild des Himmlischen Gastmahls von Franz Pauli. FRIEDLAND: Ludwig Baur, Hein Minkenberg, Fritz Theilmann).

Hervorzuheben ist nicht zuletzt auch die jeweils gute,
teils ausgezeichnete Bebilderung.
Zum Lesen, zum Kirchenbesuch und zur Nachahmung empfohlen. (U.Schmalstieg 12-2014)

Norbert Kesseler,
Architekturprojekte im Bistum Hildesheim
,
Photographie Manfred Zimmermann
Bernward Mediengesellschaft Hildesheim 2012,
150 S., durchgängig farbig bebildert
Zu beziehen über: Bernward Mediengesellschaft, Domhof 24, 31134 Hildesheim.

Für das Bistum Hildesheim füllt die Publikation über kirchliches Bauen der Jahre 2000 - 2012 eine große, schmerzlich empfundene Lücke. Bisher gab es im Jahrbuch des Diözesanvereins für Geschichte und Kunst vereinzelte Berichte über Umgestaltungen im Zuge von Kirchenrenovierungen zu lesen, die allerdings bis in die späten achtziger Jahre zurückreichen. Eine vergleichbare Übersicht des Diözesanbaurates J. Fehlig datiert gar in das Jahr 1967. Allein deshalb schon verdient der Band Beachtung. Norbert Kesseler zeichnet als Diözesanbaumeister zusammen mit Referatsleiter Martin Spatz und der Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit Dr. Petra Meschede für den 148-seitigen Band verantwortlich.

Zehn umgestaltete Kirchenräume werden in Text, Grundriss und qualitativ hochwertigen Photographien vorgestellt, hinzu kommt die als Kindergarten umgenutzte Fischbecker Kirche sowie sechs kirchliche Bildungs- und Sozialbauten. Bei den gezeigten Sakralräumen handelt es sich um konzeptionelle Neuausrichtungen (Seminarkirche Hildesheim), Neugewinnung sakraler Bausubstanz aus Nebenräumen (Alte Sakristei Hl. Kreuz, Hildesheim), den Versuch künstlerischer Neugestaltung (Wohldenberg, Rotenburg/ Wümme) oder um die Erstausstattung neuer Haus- bzw. Krankenhauskapellen (k:Punkt Hannnover und Kapelle des Hildesheimer Klinikums), also Projekte der Innenarchitektur.

Im Vorwort betonen Generalvikar Dr. W. Schreer und Norbert Kesseler, bei Baumaßnahmen „seien wie zu allen Zeiten gleichermaßen architektonische, künstlerische und liturgische Gesichtspunkte zu berücksichtigen“. Doch der „demographische Wandel und zurückgehende finanzielle Mittel schränkten den Rahmen des Sinnvollen und Möglichen ein. Die Diskussion über kirchliches Bauen und die Gestaltung von kirchlichen Räumen sei schwieriger geworden. Trotzdem sollten starke Standorte auch architektonisch und ästhetisch hervorragen.“

Aus Perspektive der Bildenden Kunst fällt auf: Ikonen als zeitlose Bilder in Kopie ihrer Vorbilder finden mehrfach Einlass in die neu gestalteten Räume, während man anderweitig neue Skulptur und Malerei - auch Glasmalerei - vergeblich sucht. Künstlerische Neuschöpfungen finden sich selten (bemerkenswert: St. Andreas-Kapelle, Domdechanei Hildesheim: Eucharistische Taube des Goldschmieds Uwe Schuchard). Die hannoversche Kapelle des Klosters Cella (2010), finanziert von den Mescheder Benediktinern, ragt demgegenüber deutlich heraus. Alle möglicherweise involvierten Künstler bleiben ungenannt und treten in Anonymität hinter den Namen der künstlerisch gestaltenden Architekten Kesseler und Spatz zurück. Deren Altargestaltungen zeigen in Variation dekonstruktivistische Auflösungen des Altars vom massiven (S. 25) zum hohlen, marmor- (S. 8) oder holzverkleideten (S. 63) Kubus, über die querschnittartig geöffnete (S. 69) bis hin zur auf geöffnetem Stahlrohrahmen ruhenden schlanken Altarplatte (S. 59). Leuchter und Kreuze entstehen minimalistisch auf der Basis von Vierkantstahlrohr.

Die Veröffentlichung unseres Diözesanbaumeisters wirft eine Reihe diskussionswürdiger Fragen für Kirchenleitung und Kirchengemeinden auf: Warum wird kein „starker Standort der Diözese“ mit einem zeitgenössischen kirchlichen Neubau ausgezeichnet? Weshalb erhielt das pastoral nur mühsam durchzusetzende Kolumbarium in Hannover- Misburg nicht die finanzielle Unterstützung, um den erstprämierten, überzeugenderen Wettbewerbsentwurf des Münsteraner Büros Klodwig & Partner zu verwirklichen?
Warum nimmt die Kirche die liturgischen Primärorte Altar und Ambo optisch immer mehr zurück, wenn doch an ihnen Auftrag und innerstes Wesen der Kirche im Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi vergegenwärtigend verkündet und gefeiert wird? Altarstufen werden seltener. Wie wird nun die Schwelle zum transzendenten Gott in den Sakralräumen markiert, die wahrzunehmen sich heutige Zeitgenossen schwerer tun als früher? Weshalb beantworten wir das Bilder- und Schaubedürfnis der Menschen weiterhin mit Bilderlosigkeit und Leere? Wagen wir es noch, die zwar wortlose doch überraschend beredte Sprache zeitgenössischer Kunst in unser Leben hineinzunehmen? Sind die aufgewendeten finanziellen Mittel hinreichend, um unserem Glauben einen künstlerisch überzeugenden Ausdruck zu verleihen?

Aus Sicht der bildenden Kunst kann die Veröffentlichung als eine Offenbarung verstanden werden: In der Nachkriegs- und Wiederaufbauzeit hatte sich unsere Diözese trotz engster Finanzmittel stets auf das Duo Künstler + Architekt festgelegt. In „guter Gesellschaft“ mit vielen anderen Bauherren verzichtet sie jetzt auf die Sprache der Bildenden Kunst mit Hinweis auf die klammen Finanzen. Darüber sollten die mit dem Herzen aufgenommenen oft großartigen (z.B. S. 141, 146/47) manchmal suggestiven (Seminarkirche ist so nie zu sehen, S.7-9), vereinzelt aber auch ästhetisch banalen (S. 65, 80 links. unten, S.134) Fotoaufnahmen des ausgewiesenen Hannoveraner Fotografen Manfred Zimmermann nicht hinwegtäuschen.

Unbedingt lesenswert (U. Schmalstieg 10-2012)

Pastor
Ulrich Schmalstieg
Mauerstraße 4
38640 Goslar
Tel. 0 53 21/74 59 0 59
kuenstlerseelsorge-hildesheim@gmx.de